Beitrag in Jahrbuch 2021

Allgemeine Entwicklung Die konjunkturelle Entwicklung der Landtechnikindustrie

Kurzfassung:

Die Landtechnikhersteller am Produktionsstandort Deutschland haben ihre Umsätze im Jahr 2021 auf ein neues Allzeithoch gesteigert.

Volltext

Die konjunkturelle Entwicklung der Landtechnikindustrie

Im vergangenen Jahr konnten die Landtechnikhersteller am Produktionsstandort Deutschland ihre Umsätze trotz des Rekordergebnisses im Vorjahr um weitere 16 Prozent steigern – und damit erstmalig die 10-Milliarden-Euro-Marke durchbrechen.

Das Exportgeschäft entwickelte sich mit einem Plus von 19 Prozent noch deutlich dynamischer als der Inlandsumsatz. Fast alle Segmente, inklusive die Traktoren, trugen dazu bei, dass der Umsatz aus dem Ausland insgesamt noch stärker als der Inlandsumsatz anstieg. Lediglich die Pflanzenschutztechnik weicht davon ab, dafür aber umso stärker: Die Hersteller konnten in diesem Segment im Inland ein Plus von 64 Prozent erzielen.

Bild 1: Umsatz aus der Produktion am Standort Deutschland

Figure 1: Turnover of the Agricultural Machinery Industry in Germany

 

Als wichtigste Treiber der positiven Geschäftsentwicklung wirkten kräftig gestiegene Erzeugerpreise. Zusätzlich befeuert wurde die Entwicklung durch negative Realzinsen und starke Investitionsanreize von staatlicher Seite in Deutschland und in vielen anderen Ländern rund um den Globus: teilweise schlicht durch allgemeine Corona-Konjunkturpakete, teilweise über direkte Subventionsprogramme, speziell für die Landwirtschaft.

Das Umsatzergebnis hätte insgesamt sogar noch deutlich besser ausfallen können. Denn die Auftragseingänge lagen 2021 durchgängig auf einem doppelt so hohen Niveau wie das Umsatzplus des Gesamtjahres. Extreme Preissteigerungen und Engpässe auf der Liefer- und Logistikseite haben die Produktion jedoch, wie vom VDMA erwartet, zum Jahresende hin merklich abgebremst, wodurch der Umsatz im vierten Quartal nur noch 5 Prozent über dem Vorjahresniveau lag.

Die Auftragsbestände auch tatsächlich umzusetzen, bleibt weiterhin die größte Herausforderung für die Industrie. Die Branchevertreter erwarten zusätzliche Preissteigerungen und Engpässe auf der Lieferseite, nicht zuletzt infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Dagegen sind wegbrechende Aufträge aus Russland und der Ukraine vor dem Hintergrund rekordhoher Auftragsbestände aus Sicht der Industrie verkraftbar, zumal die Einbußen kurzfristig durch weiteres erzeugerpreisgetriebenes Wachstum in der übrigen Welt, insbesondere in Nord- und Südamerika sowie Westeuropa, mehr als überkompensiert werden können.

 

Autorendaten

M. Sc. Wirtschaftswissenschaften Philip Nonnenmacher ist Referent der Abteilung Märkte und Konjunktur beim VDMA Fachverband Landtechnik.

Empfohlene Zitierweise:
Nonnenmacher, Philip: Die konjunkturelle Entwicklung der Landtechnikindustrie. In: Frerichs, Ludger (Hrsg.): Jahrbuch Agrartechnik 2021. Braunschweig: Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge, 2022. – S. 1-3

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