Article in yearbook 2025

General Development DLG Agrifuture Insights: Tackling Challenging Times Through an Open Approach to Technology

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Rising input costs, volatile markets, and regulatory uncertainties are currently shaping the economic environment for agricultural businesses in Europe. The results of the DLG-Agrifuture Insights Winter 2025/26 survey show that, despite these uncertainties, there is a willingness to invest. From the respondents’ perspective, technologies for more precise application, the digitization of operational processes, and the improvement of interoperability among agricultural systems are particularly relevant. Innovations in plant breeding, crop protection, and nutrient application are seen as key to productivity and resource conservation and are highly anticipated by respondents. Adaptation and climate protection measures – such as more efficient water management and reduced use of diesel and crop protection products – are already being widely implemented or are planned.

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Aktuelle Geschäftslage

Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland und Europa agieren in einer international vernetzten Agrarwirtschaft. Die Folgen mehrerer Krisenjahre und geopolitischer Spannungen zeigen sich in Preisvolatilität, gestörten Lieferketten und zurückhaltender Investitionstätigkeit. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies ein Umfeld steigender Anforderungen, in dem unternehmerisches Handeln und betriebliche Resilienz zunehmend entscheidend sind.

Der vorliegende Beitrag analysiert Ergebnisse der internationalen DLG-Agrifuture Insights Winter 2025/26 Befragung mit besonderem Fokus auf agrartechnische Trends und Innovationsbedarfe aus Sicht der landwirtschaftlichen Praxis. An der Befragung haben weltweit 1.772 Personen aus der landwirtschaftlichen Praxis, dem Agribusiness und der Wissenschaft und Beratung teilgenommen. Von den 1.772 Teilnehmern kamen rund 1.400 aus Europa.

Angesichts niedriger Erzeugerpreise, weiterhin hohen Preisen für Betriebsmittel sowie einem Anpassungsdruck durch politische Vorgaben und steigende Dokumentationspflichten ist es für die Betriebe aktuell eine große Herausforderung, kostendeckend zu produzieren. Dies gilt über alle Betriebszweige hinweg.

Bild 1: Beurteilung der aktuellen Geschäftslage – Landwirte in Deutschland [1]

Figure 1: Assessment of actual business conditions - farmers in Germany [1]

 

Dementsprechend bewerten die Ackerbaubetriebe ihre aktuelle Geschäftslage kritischer als 2023. Noch deutlicher ist die Negativkurve bei den Schweinehaltern, die sich 2023 in einer deutlich stabileren Ausgangslage befanden. Obwohl auch die Milchviehhalter derzeit nicht kostendeckend produzieren können, bewerten sie ihre aktuelle Geschäftslage im Mittel etwas positiver als schweinehaltende Betriebe, gestützt durch gute Vorjahresergebnisse und insgesamt robustere Perspektiven (Bild 1).

Wie in Bild 2 deutlich wird, sehen die europäischen Ackerbauern angesichts hoher Betriebs(mittel)kosten und niedriger Erzeugerpreise besonders die Rentabilität mit 3,15 im Schnitt eher als schlecht an. Etwas besser sehen sie ihre Stabilität und Liquidität.

Sie stehen insgesamt unter starkem Anpassungsdruck und gleichzeitigen Unsicherheiten durch internationale Handelsabkommen, Änderungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und Preisvolatilität.

Bild 2: Selbsteinschätzung zur wirtschaftlichen Lage von landwirtschaftlichen Betrieben in der EU [1]

Figure 2: Self-assessment of the economic situation of agricultural companies in the EU [1]

 

Mit vergleichsweise hoher Besorgnis sehen die Schweinehalter ihre Rentabilität. Dies verwundert angesichts der Rahmenbedingungen mit seit Mitte 2025 fallenden Erzeugererlösen nicht. Vor diesem Hintergrund rücken Innovationen und betriebliche Resilienz in den Fokus.

Investitionsbereitschaft durch niedrige Erzeugerpreise und unsichere politische Regulierung

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Investitionsbereitschaft vergleichsweise hoch. Rund zwei Drittel der befragten Ackerbaubetriebe in der EU planen, innerhalb der kommenden zwölf Monate zu investieren. Dabei handelt es sich im Bereich der Acker- und Futterbautechnik mit 61 % vorwiegend um Ersatzinvestitionen. Vergleicht man die drei Hauptproduktionszweige, so liegt die Investitionsbereitschaft bei den Milchviehhaltern mit rund 75 % am höchsten. Knapp ein Drittel der Investitionen entfallen hier auf Erweiterungsinvestitionen. Hier dürfte hineinspielen, dass Polster vorhanden sind, die zum Beispiel in Technik für die Arbeitserleichterung investiert werden können. Relevant ist auch, dass die Unsicherheiten hinsichtlich der Preisentwicklung geringer sind, da der Milchmarkt weder mit dem US-Markt gekoppelt ist noch Handelsabkommen wie Mercosur Relevanz aufweisen (Bild 3).

Bei den Schweinehaltern hingegen wird die Investitionsbereitschaft stärker durch regulatorische Rahmenbedingungen beeinflusst. Genehmigungsrechtliche Anforderungen im Bau- und Immissionsschutzrecht werden von vielen Betrieben als Investitionshemmnis genannt. Für viele Betriebe bleibt technologische Modernisierung ein strategisch wichtiger Baustein zur Steigerung der Effizienz.

Bild 3: Selbsteinschätzung zur Investitionsbereitschaft landwirtschaftlicher Betriebe in der Europäischen Union im Jahr 2026 [1]

Figure 3: Self-assessment of whether an investment is planned by farmers in the European Union in 2026 [1]

Effizienzsteigerung durch Digitalisierung

Bei den abgefragten Techniktrends im Ackerbau steht für die befragten landwirtschaftlichen Betriebe und Lohnunternehmen die präzisere Saatgutablage an erster Stelle, wie Bild 4 zeigt. Mit einer präziseren Tiefenablage und gleichmäßigen Kornabständen gehen homogene Feldaufgänge einher, woraus sich eine bessere Bestandsführung ergibt.

Im Vergleich zu den Vorjahresbefragungen hat die Striegel- und Hacktechnik für die Landwirte an Bedeutung verloren. Andere Techniktrends sind an die oberen Plätze gerückt. Es fällt auf, dass digitale Lösungen zunehmend Verbreitung finden. Betriebe nutzen verstärkt Technologien der Präzisionslandwirtschaft, um Betriebsabläufe zu optimieren und zu vereinfachen. Die Interoperabilität und Kompatibilität wurde vor zwei Jahren von den Landwirten noch mit 2,36 bewertet und ist nun auf Platz 3 (2023: Platz 5) aufgerückt [1; 2]. Dies zeigt, dass dieses Kriterium entscheidend für die Digitalisierung in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette ist.

Bild 4: Zukünftige Bedeutung von Techniktrends im Ackerbau [1]

Figure 4: Relevance of technology trends in arable farming [1]

 

Neben Landwirten wurden auch die Wissenschaft und Beratung gefragt welche Relevanz Sie den Techniktrends zuordnen. Die Ergebnisse zeigen eine deutlich unterschiedliche Gewichtung bei der Bedeutung eines effizienten Wassermanagements zwischen Praxis und Wissenschaft. Während die Wissenschaft und Beratung dieses im Schnitt mit 1,5 bewerten, sehen die Landwirte es als deutlich weniger wichtig an [1]. Für die Wissenschaft und Beratung dürften hier die zunehmende Wasserknappheit sowie Potenziale einer effizienten Bewässerung im Vordergrund stehen, während für die Landwirte überwiegen dürfte, dass sich Bewässerung oftmals bei klassischen Marktfruchtkulturen nicht rechnet.

Innovationen wichtiger denn je zur Sicherstellung von Produktivität und Nachhaltigkeit

Neben technischen Entwicklungen in der Landtechnik sehen die Befragten große Innovationspotenziale in den Bereichen Pflanzenzüchtung, Pflanzenschutz und Nährstoffmanagement, wie in Bild 5 deutlich wird. Insbesondere im Pflanzenschutz stehen die Landwirte vor der Herausforderung, mit einer sinkenden Zahl verfügbarer Wirkstoffe Resistenzen zu vermeiden und die Produktivität aufrechtzuerhalten. Hoffnung wird hier auf die Entwicklung von neuen Wirkstoffgruppen und Alternativen gesetzt, die sich noch in der Entwicklung befinden.

Auch im Bereich der Nährstoffapplikation werden Innovationen erwartet. Präzisere Applikationstechnologien können dazu beitragen,

·        Düngemittel effizienter einzusetzen

·        Kosten zu reduzieren

·        Nährstoffverluste in die Umwelt zu verringern.

Damit können wirtschaftliche und ökologische Ziele zunehmend miteinander verbunden werden.

Bild 5: Erhoffte Innovationen im Ackerbau [1]

Figure 5: Innovations hoped for in Arable Farming [1]

 

Die Landwirte erhoffen sich zudem Innovationen bei digitalen Entscheidungs- und Prognosemodellen sowie bei der Verbesserung des Datenmanagements und der Datenvernetzung. Hier zeigt sich, wie die Digitalisierung immer weiter Einzug in die Landwirtschaft hält. Klug eingesetzt können digitale Lösungen mit und ohne KI-Einsatz Landwirte vielfältig unterstützen. Hierdurch sind nicht nur effizientere Arbeitsprozesse und die Einsparung von Arbeitszeit möglich – KI kann auch eine Lösung sein, mit bürokratischem Aufwand zurecht zu kommen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Datenintegration in bestehende Betriebsabläufe und Schnittstellenkompatibilitäten weiterhin Faktoren mit Verbesserungspotenzial in der Digitalisierung sind.

Umwelt- und Klimaschutz: Anpassungen an Klimawandel und reduzierter Betriebsmitteleinsatz weiterhin im Fokus

Angesichts zunehmender Wetterextreme sind Anpassungs- und Ressourcenschutzmaßnahmen zu wichtigen Instrumenten des Risikomanagements geworden [3]. Dies wird auch in den Befragungsergebnissen deutlich. Viele Betriebe erweitern ihr Anbauspektrum um angepasste Kulturen, optimieren das Wassermanagement und reduzieren den Diesel- sowie den Pflanzenschutzmitteleinsatz [1]. Teilflächenspezifische Bewirtschaftung gilt als Hebel, um Umweltziele mit ökonomischer Entlastung zu verbinden.

Bild 6: Umwelt- und Klimamaßnahmen im Ackerbau [1]

Figure 6: Environmental and climate protection measures in arable farming [1]

 

Die DLG hat in diesem Zusammenhang 2025 ein Thesenpapier zur nachhaltigen Produktivitätssteigerung veröffentlicht, das technologische Innovation, datenbasierte Entscheidungen und eine offene Innovationskultur als zentrale Voraussetzungen für die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft beschreibt. [4]

Zusammenfassung

Die Ergebnisse unterstreichen, dass der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe hoch bleibt, wenngleich sich auch Unterschiede in den Produktionszweigen zeigen. Während Ackerbauern hauptsächlich Ersatzinvestitionen tätigen, sind Milchviehhalter auch zu Erweiterungsinvestitionen bereit. Die Digitalisierung schreitet in der Landwirtschaft voran, wobei Interoperabilität als Schlüsselkriterium gilt. Innovationen in Züchtung, Pflanzenschutz und Nährstoffmanagement sind für nachhaltige Produktivitätssteigerungen zentral. Klimaanpassung und Ressourcenschutzmaßnahmen werden zunehmend umgesetzt und können ökologische und ökonomische Ziele verbinden. Für die Agrartechnikentwicklung ergibt sich daraus ein klarer Fokus auf datenbasierte Produktionssysteme, präzisere Applikationstechnologien sowie offene und kompatible Datenstrukturen.

Literatur

[1]     N.N.: DLG-Agrifuture Insights - Auswertung der Studie Winter 2025/26. DLG e.V., URL: https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/themen/agrifuture-insights-aktuellt - bei Erstellung des Beitrags noch unveröffentlicht.

[2]     N.N.: DLG-Agrifuture Insights - Auswertung der Studie Winter 2023/24. DLG e.V., URL: https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/themen/agrifuture-insights-aktuellt - bei Erstellung des Beitrags noch unveröffentlicht.

[3]     Hans Henning Rottbøll: „Die wichtigsten Herausforderungen für den Ackerbau in Europa im Jahr 2026“ URL: https://www.dlg.org/landwirtschaft/netzwerke/european-arable-farmers/eaf-events/die-wichtigsten-herausforderungen-fuer-den-ackerbau-in-europa-im-jahr-2026

[4]     N.N.: Produktivität. Wettbewerbsfähigkeit. Ressourcenschutz. Das neue Fortschrittsverständnis: Nachhaltige Produktivitätssteigerung! – Ein Diskussionspapier der DLG, URL: https://www.dlg.org/mediacenter/alle-publikationen/strategische-positionspapiere/nachhaltige-produktivitaetssteigerung

Autorendaten

Kerstin Hau ist Projektleiterin des Fachzentrum Landwirtschaft bei der DLG e.V. in Frankfurt am Main.

Recommended form of citation:
Hau, Kerstin: DLG Agrifuture Insights: Tackling Challenging Times Through an Open Approach to Technology. In: Frerichs, Ludger (Hrsg.): Jahrbuch Agrartechnik 2025. Braunschweig: TU Braunschweig / Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge, 2026. – pp. 1-8

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